Rückblick: 5. Steckverbinderkongress 2011
Knapp 200 Teilnehmer, 21 Aussteller, 20 Top-Vorträge sowie 8 Workshops sind das Fazit des Steckverbinderkongresses 2011. Am 5. und 6. Juli trafen sich in Würzburg die innovativen Köpfe der Verbindungstechnik-Branche.
Wann und wie kommt ein Elektroauto für die breite Masse? Professor
Dr. Uwe Schäfer von der TU Berlin geht davon aus, dass ein Fahrzeug mit
zentralem Elektromotor und integrierter Leistungselektronik am ehesten
massentauglich gestaltet werden kann. Wohingegen sich vier verteilte
elektrische Radnabenantriebe im Elektroauto wohl nicht durchsetzen
werden, prognostiziert er in seiner Keynote „Strategien, Techniken und
Fahrzeugkonzepte bei E-Mobility“ auf dem 5. Steckverbinderkongress in
Würzburg.
In ein
Gehäuse integriert werden beim Konzept zentraler Motor der
Wechselrichter für den E-Motor, den Generator, DC/DC-Wandler und das
Ladegerät. Das sei für Stückzahlen bis 100000 Fahrzeuge realisierbar,
wie es zum Beispiel Toyota beim Prius mit flüssigkeitsgekühlter
Leistungselektronik bereits umsetzt. Ab 1 Mio. Fahrzeuge/Jahr würden
Wechselrichter und Elektromotor in einem Gehäuse untergebracht.
Nachdem auch EVU und Politik verstärkt auf das Elektroauto setzen,
könne man eine Serienreife eines derartigen Konzepts schon in wenigen
Jahren erreichen, meint Schäfer. Allerdings forcierten die
Automobilisten eher das Konzept mit der Brennstoffzelle. Diese Variante
scheine interessant für eine energetische Rückfallebene
„Wasserstoffwirtschaft“, wenngleich diese Technik noch nicht serienreif
sei, so Schäfer.
E-Mobility mit Stecker oder doch lieber kabellos
Was
der Elektroantrieb mit High-Tech-Steckverbindern zu tun hat, erläuterte
Bernd Horrmeyer (Phoenix Contact) in seinem Vortrag zu aktuellen
Techniken von Ladesteckverbindern und deren Standardisierung.
In
der Anfangsphase der Elektromobilität (2016 bis 2018) werden
Steckverbinder der dominierende Ansatz sein, um Fahrzeuge zu versorgen,
da ist sich Mathias Wechlin von Conductix Wampfler sicher. Er stellte
die induktive Energieübertragung als (altbekannte) Alternative vor, für
die sich die Automobilindustrie derzeit verstärkt interessiert.
Auch
die Bahntechnik ist ein Bereich, in dem dynamische
High-Tech-Kontaktsysteme zur Signal-, Leistungs- und Datenübertragung
(so genannte automatische Kupplungen) eingesetzt werden. Wie man die
Herausforderungen in Bezug auf Dynamik, Sicherheit und Zuverlässigkeit
meistert, legte Dr. Thomas Paral von era-contact dar.
Qualifizierung und Qualitätsprobleme von Steckverbindern
Einen breiten Raum nahm auch das Thema Qualifizierung von Steckverbindern ein. Auch wenn eigentlich niemand gerne über Qualitätsprobleme bei Steckverbindern spricht, wird intensiv getestet und optimiert, aber Fehler treten trotzdem auf.
Das
kann an den Randbedingungen liegen, wie Herbert Endres von molex anhand
eines Praxisbeispiels darlegte oder am unvollständigen Knowhow, welche
Testverfahren wann und wofür eingesetzt werden sollten. Hierzu gab es
verschiedene Vorträge und Workshops, in denen die elektrische und
mechanische Qualifizierung, Dichtheitsprüfung, 3-D-Visualisierung, EMV
von HV-Steckern etc. erörtert wurden.
Prozesstechnik spielt eine maßgebliche Rolle
Auch
die Prozesstechnik spielt für hochwertige Steckverbindungen eine
maßgebliche Rolle. Waren bis vor einigen Jahren Weichlöten und Crimpen
die am häufigsten angewandten Verfahren, werden zunehmend alternative
Verfahren mit höherer Temperaturbelastbarkeit, Festigkeit und
Korrosionsbeständigkeit wie das Widerstandsschweißen eingesetzt. Jörg
Kundrat (Miyachi Europe) erläuterte die Unterschiede der Verfahren und
die Prozess- und Regelungstechnik.
Die
Möglichkeiten von Rapid Prototyping und Rapid Manufacturing bei
kundenspezifischen Steckverbindern zeigte Oliver Schulte von Intercontec
auf.
Die Anforderungen an Steckkontakte
Die
Anforderungen an Steckkontakte steigen stetig sowohl in
kostentechnischer Hinsicht als auch technologisch, thermisch, chemisch,
mechanisch und im Zeitstandsverhalten. Die wesentlichen modernen Ansätze
bei der Beschichtung demonstrierte Dr. Jürgen Unruh (Dr. Unruh
Technologieberatung) anhand von Mehrstoffsystemen: Mehrfachschichten,
Multilayer, Legierungen und Dispersionsschichten.
Auf das Optimierungspotenzial bei der selektiven Bandbeschichtung ging Gerald Metge (Metge ConsultING) ein.
Weitere Themen des zweitägigen Kongresses, den knapp 200 Teilnehmer besuchten, waren: M12-Steckverbinder mit neuen Polbildern, Trends bei Leistungssteckverbindern, Lichtwellenleiter und LWL-Steckverbinder, Datenbusse sowie Datennetzwerktechnik in industriellen Anwendungen mit dazugehörigem Workshop.
Zum Schluss: Normen „nullachtfuffzehn“
Zum
Schluss bewies Hermann Strass (Techcon) eindruckvoll und kurzweilig
u.a. am Beispiel der Norm DIN 1, dass die Normung ihr langweiliges Image
zu Unrecht trägt. Die erste deutsche Norm DIN 1 (März 1918) bezeichnet
das Kegelverhältnis, das der Kegelstift für das Maschinengewehr 08/15
haben muss, um eine Austauschbarkeit zu gewährleisten.
Das MG 08 ist ein deutsches Maschinengewehr, das im Ersten Weltkrieg verwendet wurde. Die bekannteste Variante ist das leichtere MG 08/15 (Version aus dem Jahr 1915), auf das sich übrigens auch die Redewendung „nullachtfuffzehn“ zurückführen lässt.
Tagungsband
Sie können auch den ausführlichen Tagungsband bestellen: kristin.rinortner@vogel.de.












