Rückblick 2016

Das war der 10. Anwenderkongress Steckverbinder

Im Juni 2016 blickten wir mit dem Steckverbinderkongress auf stolze zehn Jahre Bestehen zurück. Mit von der Partie waren gut 300 Teilnehmer und 40 Aussteller, die sich in vier Grundlagenseminaren, 15 Vorträgen, sieben Workshops und acht Postervorträgen über aktuelle Entwicklungen und Routinen sowie Grundlagen und Expertenwissen informierten.


Bis zum Jahr 2020 werden 40 Milliarden Geräte mit dem Internet vernetzt sein. Egal wie hip, schnell, strahlend und leistungsfähig das Internet of Things dargestellt wird, nichts davon funktioniert ohne Steckverbinder. Denn elektrische Anschlusstechnologien spielen eine zentrale Rolle bei der Vernetzung in der Produktion. Die Integration von Intelligenz in die Verbindungstechnik führt zu einer Reihe von Innovationspotenzialen, die zu Effizienzsteigerungen, besserer Zuverlässigkeit, optimaler Verfügbarkeit und stabilen Produktionsprozessen beitragen. Diesem Thema widmete sich Dr. Frank Ansorge vom Fraunhofer IZM in seiner Keynote „Gehen Deutschland die Innovationen aus? Ein Ausblick auf die Entwicklungen in der Elektrotechnik mit besonderem Fokus auf die Verbindungstechnik.“ Dabei ging es nicht nur um die Integration von Sensorik- und Anzeigefunktionen sowie dezentraler Intelligenz in den Steckverbinder über innovative Aufbau- und Verbindungstechniken. Ziel ist ein Steckverbinder, der seine Funktionen und Anzeigeparameter eigenständig überwacht und weitere Funktionen aus der Automatisierungstechnik integriert. Ein Steckverbinder, der intelligent agiert. Das ist momentan noch nicht der Fall. Aber es gibt einige Ansätze, wie man das realisieren kann. Weitere beispielhafte Entwicklungen auf dem Weg in Zukunft sind 3-D-Druckverfahren wie sie die ESA für Raumfahrtanwendungen verwendet oder auch der Einsatz von Graphenen.

Der Mythos um USB

Der Steckverbinder, der mit den Anforderungen des Internet of Things gewachsen ist, ist der im Jahr 1994 entwickelte USB-Konnektor. Bei der aktuellen Version USB C handelt es sich um einen neuen Steckverbinder, der die Leistungsübertragung (Ströme bis 3 A) in beide Richtungen unterstützt und auch in beiden Orientierungen gesteckt werden darf. Daten werden mit demselben Kabel übertragen. Die neuen Standards definieren auch neue Steckerbelegungen mit Kodierung für unterschiedliche Ausbaustufen. Mit USB PD lassen sich Leistungen bis 100 W in beide Richtungen über das Kabel übertragen. Stromstärken sind bis 5 A und Spannungen bis 20 V definiert. Einen Überblick zu den Typen C und PD sowie Alternate Modes (Gastprotokolle für Display Port, Thunderbold und PCI-Express) gab Carsten Thiele (Texas Instruments) in seiner Präsentation „USB-C s– Mythos oder Realität?“ und erläuterte Details zur Implementierung der unterschiedlichen Konfigurationen.

Kontaktlose Energieübertragung

Die kontaktlose Energieübertragung gehört, obwohl sie schon seit Jahren auf dem Markt ist, zu den Technologien, die sich schwer durchsetzen können. Warum gibt es nur sehr wenige Anwendungen mit kontaktloser Energieübertragung? Mit dieser Frage beschäftigte sich Markus Rehm (IBR) in seinem Vortrag „Vorteile der kontaktlosen Energieübertragung“. EMV-Vorgaben, die Nachfrage nach höherer Leistung und skalierbarem Design setzen hier Grenzen. Den höchsten Wirkungsgrad erzielt man, wenn man derartige Systeme bei der Resonanzfrequenz von Sender und Empfänger betreibt. Diese verstimmt sich jedoch leicht. Die Lösung von WPC heißt Qi und ist auf eine feste Kopplung und konstante Last angewiesen. Andere Varianten verstellen die Generatorfrequenz in einer geschlossenen Schlaufe, so dass der Generator auf der Resonanzfrequenz der gekoppelten Resonanzkreise arbeitet. Hier ist die Stabilität zweifelhaft. Der Standard A4WP arbeitet bei 6,678 MHz, wodurch der Wirkungsgrad beschränkt ist. UniWP ist unabhängig von dynamischen Kopplungsbedingungen und lässt sich an der physikalischen Leistungs- und Effizienzgrenze mit kostengünstigen Bauelementen betreiben (Ausgang: 24 V, 4,5 A). Bei dieser Lösung steuert ein Mikrocontroller einen regelbaren Kondensator im Sender. Der Wirkungsgrad liegt bei ca. 80%, die Leistung geht bis 200 W und die Störstrahlung liegt bei 66 dbµA/m (etwa 10 dB weniger als bei diskreten Lösungen).

Zuverlässige Steckverbinder für Power over Ethernet

Bernd Horrmeyer (Phoenix Contact) brachte mit seinem Referat „Energieübertragung über Kommunikationsverkabelung – Trends und Merkpunkte“ das Auditorium wieder in die Welt der Kabel zurück. Seit etwa zehn Jahren lässt sich über Ethernet-Leitungen auch Hilfsenergie zur Stromversorgung der angeschlossenen Geräte übertragen. Die Standardisierung erfolgte über IEEE 802.3 af (POE), IEEE 802.3 at (POE+) und IEEE 802.3 bt (POE++). Die Kontakte werden mit einer Goldoberfläche und einer Trägerschicht versehen und durch spezielle Geometrien wird dafür gesorgt, dass die Kontaktgabe im gesteckten Zustand an einem anderen Ort erfolgt als die Kontakttrennung (Lichtbogen). Damit stellt POE (und auch PoDL) eine attraktive Möglichkeit zur Reduktion des Verkabelungsaufwandes dar und die höheren Leistungen ermöglichen neue Applikationen bei Büroarbeitsplätzen, LED-Beleuchtung und in der Industrieautomation. Die Kabelerwärmung ist mit Cat.-6-Kabeln beherrschbar.

UL-Normen für die Leistungs- und Signalverkabelung

Lange Zeit wurde für die Zertifizierung von Steckverbindern ausschließlich die Norm UL 1977 verwendet. Diese berücksichtigt weder Konstruktionsmerkmale noch die Anwendung der Steckverbinder. Deswegen hat UL vor etwa zehn Jahren damit begonnen, neue Normen zu erarbeiten, deren Anforderungen auf den Aufbau und die Endanwendung zugeschnitten sind. Dabei handelt es sich um die UL 2238 (Signalverkabelung), die 2009 veröffentlicht wurde und derzeit in der 2. Fassung vom Dezember 2013 gültig ist. Sie bezieht sich hauptsächlich auf Steckverbinder mit integrierten Kabelsätzen und wird im kleinen Leistungsbereich (Steuerkreise) verwendet. Die Norm UL 2237 (Leistungsverkabelung) dürfte bald ein offizieller Standard sein. Derzeit existiert die „Outline of Investigation“, das bedeutet, dass Überarbeitungen nicht durch den Ausschuss Standards Technical Panels (STP) genehmigt werden müssen. Die UL 2237 bezieht sich auf Steckverbinder mit integrierten Kabelsätzen im größeren Leistungsbereich (Motorkreise, Heavy-Duty-Anwendungen). Die Norm UL 1977 ist weiterhin gültig, deckt aber weniger Steckverbindertypen ab. Pawel Strzyzewski (UL International, Polen) stellte die Unterschiede zwischen den Normen dar und vermittelte wichtige Auswahlkriterien für Steckverbinderhersteller. In seinem Vortrag „Zulassungen für industrielle Leistungsverkabelungen (UL 2237) – Unterschiede zur Signalverkabelung (UL 2238)s“ verglich er beide Normen und erläuterte Anforderungen für die Kurzschlussprüfung.

Warum PCN-Prozesse zu Steckergräbern führen

Veränderungen bei Produkten sind nicht nur für den Endverbraucher ärgerlich. Insbesondere in der weiterverarbeitenden Industrie müssen die eingesetzten Bauteile rückverfolgbar sein. Deshalb sollten Änderungen dem Kunden vom Lieferanten im Voraus angekündigt und in Absprache durchgeführt werden. Dass das nicht immer einfach ist, zeigte die gemeinsame Präsentation von Dr. Thomas Sänger (Carl Zeiss AG) und Herbert Endres (Molex). Viele der von der Zeiss entwickelten und produzierten Anwendungen benötigen eine Steuer- und Auswerteelektronik. Die meisten sind „Steckergräber“.

Molex hat 2010 einen „Global Change Notification“-Prozess eingeführt, der auch Distributoren einschließt. Produktänderungen werden mindesten sechs Monate vor der Änderung kommuniziert und Produktabkündigungen mit 12 Monaten Vorlauf bekannt gegeben. Alle aktiven Kunden werden per E-Mail mit Korrekturschleife benachrichtigt. Seit 2016 wurde die Liste der Änderungskategorien reduziert und Ausnahmen bei dem jetzt als PCN (Product Change Notice) bezeichneten Änderungsdienst definiert und regionale 24/5 Ansprechpartner für den Produktänderungsdienst etabliert. Die PCN löst Probleme der Direktkunden und Distributoren, allerdings hat das Unternehmen auf diese Art keinen Einfluss, ob diese Informationen beim Design-in-Kunden ankommen.

Da die Informationskette (Hersteller – Distributor – EMS – Carl Zeiss AG) lang ist und Verzögerungen insbesondere bei Produktabkündigungen kritisch sind, regt Sänger an, eine interaktive Datenbank (zum Beispiel IHS, Silicon Expert, Total Part Plus), die von den Lieferanten bedient wird und Informationen zu Produkten im BOM interaktiv an den „Endverbraucher Zeiss“ weiterleitet, zu nutzen. Dazu ist es aber erforderlich, dass sich alle Komponentenhersteller dieser Datenbanken bedienen. Die Verteilung dieser Informationen und der Zugriff darauf ist allerdings aus Sicht der Hersteller nicht mehr nachvollziehbar. Das führte zwangsläufig zu großen Diskussionen in der Kaffeepause, da Hersteller sehr viel offenlegen. Sänger postulierte am Schluss, dass Zeiss in Zukunft nicht mehr mit Herstellern zusammenarbeiten würde, die sich nicht an dieser Datenbank beteiligen würden.

Kriterien zur Auswahl von Lichtwellenleiter-Steckverbindungen

LWL-Steckverbinder werden mit einem hohen Anteil an manuellen Fertigungsschritten hergestellt. Peter Wicht (Metz Connect) erläuterte in seinem Präsentation „Kriterien zur Auswahl von LWL-Steckverbindern“ Aspekte aus Fertigungs- und Praxissicht, die eine Hilfestellung bei der Auswahl von konfektionierten LWL-Kabeln bieten. Fazit: Wichtig ist die Verwendung hochpräziser Einzelteile, deren Qualität ständig durch Verarbeitungs- und Qualifizierungsprüfungen kontrolliert werden muss. Steckerbausätze, Fasern bzw. Kabel und sonstige Materialien müssen optimal aufeinander abgestimmt sein, um stabile Fertigungsprozesse und eine gleichbleibend gute Qualität über viele Jahre zu gewährleisten. Wer darüber hinaus Bedarf an einem kleinen Grundkurs LWL-Prüfung und Konfektion hatte, war hier sehr gut aufgehoben.

Hochzeit von Schneidklemmtechnik und Käfigzugfederanschluss

Die Schneidklemmtechnik (IDC) ist seit Jahren im Markt etabliert. Obwohl die Kontaktstabilität und der einfache Anschluss Vorteile gegenüber anderen Anschlussverfahren bieten, gibt es doch Punkte, die den Einsatz limitieren. Dazu gehört die niedrige Flexibilität bei den Drahtquerschnitten (bis max. 2,5 mm2 / AWG13). Es kann nur eine begrenzte Anzahl von Drähten verarbeitet werden und die Technik ist nicht reparabel. Im Gegensatz dazu ist der Käfigzugfederanschluss in der Lage, wesentlich höhere Drahtdurchmesser und flexible Leiter zu kontaktieren. Die Käfigzugfeder bietet aber nicht die einfache Drahtschneidetechnik von IDC. Auch die Stromtragfähigkeit ist niedriger als bei der Schneidklemmtechnik. Jaspar van der Krogt (TE Connectivity) stellte in seinem Vortrag „Flexible Kontaktplattform IDC 2.0“ eine Anschlusstechnik vor, die beide Verfahren kombiniert und so auch deren Vorteile verbindet und die meisten Nachteile eliminiert. So lassen sich Durchmesser (Draht und Litzen) bis 6 mm2 / AWG6 verbinden und eine große Anzahl von Drahtdurchmessern in einem Anschluss sehr einfach kontaktieren. Das System ist vollständig reparabel. Nachteilig sind die höheren Kosten, die höhere Größe und die größere Anzahl von Komponenten. Das dürfte aber durch die Vibrationsfestigkeit und neue Anwendungsmöglichkeiten wett gemacht werden, bei denen einen automatische Verdrahtung gefordert ist, wie zum Beispiel in der Automobilindustrie.

Simulation und Optimierung

  Aufgrund des großen Einsatzbereiches von Steckverbindern sind umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen gefordert. Mit sogenannten Umweltsimulationen wird dazu die Kontaktzuverlässigkeit mit verschiedenen mechanischen oder klimatischen Belastungen am Prüfstand nachgewiesen. Numerische Simulationsverfahren können helfen, die Eigenschaften der Steckverbinder bereits in der Entwurfs- und Konstruktionsphase frühzeitig zu bewerten und zu verbessern. Thomas Iberer (CADFEM) gab in der Eröffnungspräsentation am zweiten Tag „Numerische Simulation als unterstützendes Werkzeug zur Qualifizierung der mechanischen Eigenschaften von Steckverbindern“ anhand von einfachen Beispielen einen Eindruck, wie mit Hilfe der numerischen Simulation die mechanische Zuverlässigkeit von Steckverbindern überprüft werden kann. Beispiele zur Simulation zum Einpressen, Stecken, zur Dichtheit, zu Schwingung und Schock verdeutlichten die Anwendungsmöglichkeiten.

Parameteridentifikation bei der Simulation

Bei FEM-Simulationen werden viele abstrahierte physikalische Modellen verwendet, um beobachtete oder gemessene Phänomene zu beschreiben. Eine wichtige Gruppe bilden Materialmodelle, welche das phänomenologische Verhalten verschiedener Werkstoffe abbilden sollen. Bei der Nutzung dieser Materialmodelle stellt sich immer die Frage, wie die jeweiligen Modellparameter gewählt werden sollen. Dieser Frage widmete sich René Kallmeyer (Dynardo) in seinem Referat „Parameteridentifikation mit Kurven am Beispiel eines metallischen Werkstoffes in ANSYS Workbench“. Beispiel Zugversuch: Für Materialmodelle, die das Verfestigungsverhalten von Metallen abbilden, werden Modellansätze gewählt, die durch viele Modellparameter beschrieben werden können. Durch Reverse Engineering, bei dem ein Simulationsmodell verwendet wird, das die tatsächliche Versuchsgeometrie, -randbedingungen und den -ablauf abbildet, lassen sich die unbekannten Parameter durch iterativen Abgleich zwischen Versuchsdaten und Simulationsergebnissen ermitteln.

Automatisierung in der Kabelsatzfertigung

Im Automobilbereich werden die Kontakte immer kleiner. Aus diesem Grund wird gefordert, dass Kontaktteile automatisch in Gehäuse gesteckt werden. Dabei werden Geschwindigkeiten erreicht, die etwa 1000 Mal höher sind als die laut Prüfvorschrift LV 214 geforderten. Hier führen schon kleinste Hindernisse im Gehäuse zu Prozessfehlern. Die Bestückung mit Maschinen wie dem NanoMQS (TE Connectivity) ist Stand der Technik und funktioniert zuverlässig. Allerdings nur in dem Fall, wenn bei den Komponenten die Anforderungen für die automatische Bestückung bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden. Die Anforderungen an Komponenten, Kontaktteile, Einzeladerabdichtung und Gehäuse legte Roland Liem (Komax) in seiner Präsentation „Automatisierung in der Kabelsatzfertigung – Anforderungen an die Komponenten“ dar.

Die goldene Mitte zwischen Leichtbau und Leistung

Der Einsatz von Aluminium als elektrischer Leiter in den Bereichen Automobil, Solar- und Windkraft nimmt seit einigen Jahren stark zu. Allerdings erfordert dies einen Übergang in die „Kupferwelt“. Klassische Verbindungen wie Schrauben oder Klemmen sind dafür nicht geeignet. Ein Kontaktelement aus einem Aluminium-Kupfer-Verbundwerkstoff kann das Bindeglied zwischen diesen Welten sein. Arno Marto (Innovan) stellte in seinem Vortrag „Aluminium-/Kupferverbundwerkstoffe die „goldene“ Mitte zwischen Leichtbau und Leistung?“ einen kaltwalzplattierten Werkstoff vor, bei dem die Ausbildung spröder intermetallischer Phasen minimiert ist. Neben mechanischen und chemischen Eigenschaften wurde der Einfluss der Dicke der Diffusionszone (intermetallische Phasen) untersucht. Der Gütefaktor k bleibt in der Nähe von 1 und damit deutlich unter der kritischen Grenze. Bei den Diffusionszonen treten die negativen Effekte der intermetallischen Phasen kaum in Erscheinung. Die mechanischen Eigenschaften werden durch die Festigkeit der Aluminiumseite bestimmt. Somit steht der Verwendung dieser Verbundwerkstoffe in der elektrischen Verbindungstechnik nichts im Weg und sie können als „goldene Mitte“ angesehen werden.

Werkstoffantworten auf die Trends in der Einpresstechnik

Dr. Robert Zauter (Wieland Werke) stellte in seiner Präsentation „Neue Kupferwerkstoffe für Einpresskontakte“ die Werkstoffgruppen Reinkupfer sowie naturharte und ausscheidungshärtende Kupferlegierungen vor und legte dar, welche Legierungen welche Anforderungen besonders gut erfüllen und was bei der Werkstoffauswahl für Einpresskontakte zu beachten ist. Die Entwicklungen bei Einpressverbindungen sind durch die Miniaturisierung und die Übertragung höherer Ströme geprägt. Der Miniaturisierung wird durch steigende Pincounts (Anzahl Steckerstifte/Bauteil) Rechnung getragen, die kleinere Stifte und geringere Steckkräfte pro Einpressstift erfordern. Diese werden aus Bändern aus ausscheidungshärtenden Kupferlegierungen oder feinkörnigen Bronzen mit Dicken von 0,4 mm und kleiner gestanzt. In der Leistungselektronik werden zunehmend Einpresskontakte verwendet, z.B. Stromschienen mit angearbeiteten Einpresskontakten. Zur Herstellung werden 2,0 mm dicke Bänder verwendet, die eine hohe Leitfähigkeit und Relaxationsbeständigkeit aufweisen. Das sind auf elektrische Leitfähigkeit spezialisierte ausscheidungshärtende Kupferlegierungen wie Wieland-K75 und K88. Weiterentwicklungen sind denkbar, so Zauter.

Miniaturisierung bei Leistungssteckverbindern

Im Jahr 2012 wurden im Bereich der Leistungsübertragung die IEC 61076-2-111 für M12-Steckverbinder ins Leben gerufen. Der M12 Power (in den Kodierungen S, T, K, L und M) ermöglicht nicht nur eine standardisierte Signal- und Datenübertragung, sondern jetzt auch eine Industrie-4.0-taugliche Energieübertragung. Zudem ist der Steckverbinder deutlich kleiner als gängige 7/8-Zoll-Verbinder. Das Steckgesicht gewährleistet eine gleichmäßige Anordnung der Kontakte um geforderte Kriech- und Luftstrecken sicherzustellen. Der Beitrag von Tobias Dietel (Phoenix Contact) zeigte bisherige Lösungen im Vergleich zu den Entwicklungsstufen der M12 Power Kodierungen seit 2011. Beschrieben wurden ebenfalls die technischen Unterschiede und damit verbundene Applikationen. Die aktuelle Variante von Phoenix Contact kombiniert die geringe Baugröße und Variantenvielfalt der M12 A-kodierten Steckverbinder mit der Stromtragfähigkeit der 7/8-Zoll-Versionen und bietet mit Kontaktdurchmessern von 1,5 mm eine Energieübertragung bis 630 V und 16 A.


Vom Steckverbinder-Chaos zum Steckverbinderkongress

Steckverbinder haben eine lange Geschichte und unser Kongress jetzt ebenfalls eine zehnjährige. Deswegen haben wir ein Museum eingerichtet, in dem historische Exponate einiger Hersteller sowie spannende Applikationen vorgestellt wurden. Als interessanteste „Steckverbindervariation in der Anwendung“ wurde die „Schwimmende Steckverbindung“ für einen ferngesteuert koppelnden Messaufbau zum Nachweis von Redaktionsprodukten bei der Kollision im Teilchenbeschleuniger HERA (Hamburg) von Hans Henschel (Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY) prämiert. Verbaut wurden 12 ODU-Bus-Steckverbinder.

Hermann Strass (Techcon) blickte im Abschlussvortrag auf die letzten 50 spannenden Jahre Steckverbindergeschichte zurück und kommt zu dem Schluss, dass lange Zeit kein weit verbreitetes Grundlagenwissen in der Branche vorhanden war und Probleme nicht gelöst sondern eher als rätselhaft angesehen wurden. Diese Wissenslücken spitzten sich Anfang der 2000er Jahre zu. Ein öffentliches Forum für Hersteller und Anwender wurde notwendig, um viele Probleme schon vor ihrer Entstehung zu umgehen. Das geschah mit dem 1. Anwenderkongress Steckverbinder im Jahr 2007, der genau diese Kommunikationsplattform bietet. Auch nach zehn Steckverbinderkongressen sind nicht alle Probleme gelöst. Alte Problemstellungen tauchen in neuem Umfeld wieder auf und neue ergeben sich aus der ständigen Weiterentwicklung wie z.B. „intelligente Steckverbinder“ oder Korrosion im Outdoor-Einsatz. Das diskutieren wir vielleicht auf dem 11. Anwenderkongress Steckverbinder vom 26. bis 28. Juni 2017.


Die Basisseminare

Aufgrund der großen Nachfrage haben wir auch dieses Jahr am Montag halbtägige Grundlagenseminare zu wichtigen Kennwerten und Begriffen im Steckverbinder-Alltag (Dr. Helmut Katzier, Ingenieurbüro; Herbert Endres, Molex: „Das Steckverbindarium“) sowie zur Kontaktphysik (Dr. Helge Schmidt, TE Connectivity) und zur Beschichtung von Kontaktwerkstoffen (Doris Utz, IMO) durchgeführt. 110 Teilnehmer ließen sich das geballte Fachwissen unserer Experten nicht entgehen. So waren sie optimal auf die Fachvorträge an beiden Kongresstagen vorbereitet. Einmal abgesehen davon, kann der Teilnehmer das Wissen natürlich auch im Arbeitsalltag gut gebrauchen.

Die Workshops

Interessierte konnten sieben Praxisworkshops besuchen:
  • Power-Steckverbinder für DC- und AC-Anwendungen im Outdoor-Bereich mit Andreas Beck (Phoenix Contact),
  • Thermo- und duroplastische Werkstoffe zum dichten Umspritzen von Einlegeteilen mit Andreas Wortmann (Kunststoff-Institut Lüdenscheid),
  • Simulation von High-Speed und High-Power Stecksystemen mit Marina Mocker (CST),
  • High-Speed Basics mit Herbert Endres (Molex),
  • Einpresstechnik mit Claus Guglhoer (ept),
  • FFC-Kabel und ZIF-Stecker mit Peter Stremmer (ElektronAix) sowie
  • Ausfallmechanismen und Fehlerbilder bei Steckverbinder-Anwendungen mit Dr. Helmut Katzier (Ingenieurbüro für Aufbau- und Verbindungstechniken).
Das größte Interesse fanden die Workshops Ausfallmechanismen und Fehlerbilder bei Steckverbinder-Anwendungen sowie Power-Steckverbinder für DC- und AC-Anwendungen im Outdoor-Bereich.


Vortragsunterlagen 2016 zum Download

Als Teilnehmer des „10. Anwenderkongress Steckverbinder“ 2016 können Sie mit Ihrem persönlichen Passwort die Vortragsunterlagen herunterladen. Von den Referenten nicht autorisierte Beiträge können wir Ihnen leider nicht zur Verfügung stellen.

Die freigegebenen Vorträge finden Sie hier:

Download Vortragscharts 2016



Tagungsband

Sie können den ausführlichen Tagungsband (202 Seiten) mit der Langfassung aller Plenums- und Postervorträge kostenpflichtig für 99,- EUR zzgl. MwSt. bestellen: isabell.weisensee@vogel.de.


Veranstaltungs-Highlights

Gelangen Sie mit einem Klick auf das Bild zu unserer Bildergalerie:


Das haben die Teilnehmer 2015/2016 über den Steckverbinder-Kongress gesagt.



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Aussteller